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Ruhr 2010: LOCAL HEROS, 4. Woche Xanten

„7 Projektionen stürzen ins Kuschelmeer"

Eine multimediale Reise von Thomas Schiela.

Einführung zum Projekt

Thomas Schiela, Jahrgang 1966, nimmt als „local hero" der Stadt Xanten an dem Projekt „Ruhr 2010" teil. An mehreren Tagen wird er sein Dia- und Photoarchiv aus den letzten 20 Jahren öffnen. Es wird dabei ersichtlich, wo und bei welchen Gelegenheiten er seine Motive sammelt, wie seine Bilder sich entwickeln und wie seine fertigen Werke aussehen.

Grundsätzlich gilt festzuhalten: Thomas Schiela ist Maler. Er malt photorealistische Bilder.

Das Besondere bei ihm ist, dass er nicht wie üblich mit Öl- oder Acrylfarbe malt. Thomas Schiela benutzt Wasserfarben. So entstehen seine zumeist großformatigen Aquarelle. Aquarelle sind meist kleine Zeichnungen auf Papier. Sie sind ein intimes Medium. Sie dienen als Studien oder Skizzen für größere Arbeiten. Doch T.S. malt seine Motive auf eine große Leinwand, was unüblich ist und kaum einer tut. Dabei muss bedacht werden, dass Aquarellmalerei eine besondere Herausforderung an den Künstler mit sich bringt. Obwohl es scheinbar leicht zu malen ist, stellt das Aquarell technisch einige Schwierigkeiten dar. Das Pigment wird in Wasser aufgelöst, dadurch erhält die Farbe eine Durchlässigkeit, so dass stets der Malgrund zu sehen ist. Intensive und dunklere Töne müssen immer wieder gemalt werden. Korrekturen sind kaum möglich. Man muss präzise arbeiten, Strich für Strich muss sitzen. „Bedenkt man, dass Thomas Schielas Ziel ein photorealistisches Bild ist, auf dem Farben und Texturen der Vorlage entsprechen sollen, so wird klar, mit welcher Behutsamkeit und Geduld er zu Werke gehen muss. Eine einzige Arbeit kann ihn 60 bis 80 Tage lang voll und ganz beanspruchen." (Mönig, Roland, in: Gesellschaft für Bildende Kunst Trier e.V. (HG.), Jägermeister vom Grill, Aquarell auf Leinwand, Thomas Schiela, Trier 2007)

Als Vorlage dienen ihm Photographien, an denen er sich orientiert. Für ihn sind die Photos seine Studien und Skizzen.

Doch zunächst muss Thomas Schiela auf Motivsuche gehen. Bewaffnet mit einem Photoapparat sucht er in seiner Umgebung nach bildwürdigen Szenerien. Fündig wird er bei Reisen, auf Festivals oder im Familien- und Freundeskreis. So sind im Laufe der Jahre einige 10.000 Photos zusammengekommen, wovon eine Auswahl heute zu sehen ist.

Frühe Aufnahmen werden gezeigt, die bei Studienreise zu Akademiezeiten entstanden sind u.a. in den Elsass, nach Südfrankreich, in den Burgund - T.S. studierte freie Malerei in Amsterdam und ab 1993 an der Kunstakademie in Münster, wie er 1996 zum Meisterschüler von Prof. Gunther Keusen ernannt wurde.

Schon immer war die Photographie Ausgangspunkt für T.S. Sie dient ihm als „Ideenapart", wie er es nennt, aus dem er schöpfen kann. Aus einem großen Fundus geschossener Bilder wählt er aus. Er lässt sich zu bestimmten Bildreihen inspirieren. Mal entstehen einige wenige Bilder, doch zumeist malt er ganze Reihe zu einem Thema. - Für die Xantener dürfte seine Serie zu „Rock am Dom" interessant sein. Vielleicht erkennt sich der ein oder andere wieder?-

Thomas Schiela greift zufällige Situationen auf. Die sind zumeist flüchtige Augenblicke, keine gestellten Szenen. Es sind Schnappschüsse, Momentaufnahmen von Begegnungen. Nur selten lässt T.S. Modelle für sich posieren. Wie bei einer Aktserie, bei der sein Modell die indische Göttin Shiva mit ihren unterschiedlichen Armbewegungen nachstellt.

Oft entstehen die Photos bei Feiern im Freundeskreise. Tanzende Gäste bei Partys, Diskobesucher, Menschen, die der Musik verschiedener Bands bei Konzerten zuhören. Insbesondere die Bilder der Festivals haben eine enorme Ausdruckskraft. - Es finden sich Aufnahmen von Hurrikan Festival in Schesel, vom Moers Festival und wie eben schon erwähnt vom Rock am Dom in Xanten. - Es sind junge Leute, die ein Wochenende auf einer Wiese campen, sich amüsieren, Bier trinken, sich Bands anhören, zusammen chillen und ungezwungen das Leben genießen. Es sind diese Lebensfreude und dieser Zeitgeist, den Thomas Schiela in seinen Photos auffängt. Und den er in den gemalten Bildern noch verstärkt. Großformatig wird man fast selber Besucher der Konzerte und kann die Stimmung nachvollziehen. - Dies Art von Festivalatmosphäre sollte mit dem „Kuschelmeer", den Luftmatratzen und -betten widergespiegelt werden. Der Witterung entsprechend mit Wolldecken ausgestattet. -

Ist aus den geschossenen Photos eins ausgewählt, dann projiziert T.S. es auf den Bildträger, die Leinwand. Früher mit einem Diaprojektor und heute im Zeitalter von web.2.0 mit Hilfe eines Beamers. Dies geschieht genau so, wie auch heute hier. Stellen Sie sich den Maler vor, wie er vor einer dieser Tücherbahnen steht und das Motiv abmalt, vereinfacht dargestellt. Eine kleine Anekdote am Rande: Vielleicht werden Sie gleich auf den Bildern einen Mann in Badewanne entdecken. Einige dürften diesen Mann vielleicht wieder erkennen. Diese Bild hat den Titel „Ciao, du irrisierendes Außen" kurz abgekürzt: „Ciao, DIA". Eine Anspielung des Künstlers darauf, dass dies das erste Bild war, bei dem er nicht mehr mit Diaprojektoren gearbeitet hat, sondern mit einem Beamer. Zu diesem Bild gibt es einige „Projektionen", die die Entstehung des Bildes dokumentieren. Thomas Schiela hat festgehalten, wie der Entstehungsprozess ausgesehen hat. Seine „Tagwerke" hat er wiederum photographiert. Schritt für Schritt kann der Betrachter verfolgen, wie das Bild immer mehr wird. Wie immer mehr Seifenblasen im Bild auftauchen und sich die Badewanne langsam füllt. Sehr schön lassen sich seine „Tagwerke" bei seiner neusten Arbeit nachvollziehen. An diesem Aquarell malt Thomas Schiela seit ca. 40 Arbeitstagen. Es hat wieder einmal ein Festival zum Thema. Hier das Moers Festival von 2009. Thomas Schiela beginnt mit schwarzen Flächen. Bei „Tag1" kann man schon einzelne Personen vermuten. T-Shirts oder Haare sind angedeutet. „Tag2" lässt weitere Festivalbesucher erahnen. Jede weitere „Projektion" gibt mehr preis. Einzelne Bildpartien erscheinen. Im rechten Vordergrund entsteht der Kopf einer jungen Frau. Anfangs ist es nur eine leere Fläche, die Umrisse eines Kopfes lassen sich erahnen. Ab Tag 10 hat Thomas Schiela sich mit den Haaren befasst. Detailliert erkennt man einzelne Strähnen, die im Sonnenlicht unterschiedliche schimmern. Doch noch gibt Thomas Schiela das Gesicht nicht preis. Zunächst mal er anderen Partien: weitere Gruppen und Menschen, der Hintergrund wird gemalt, immer mehr Momente und Augenblick der Photographie auf dem Moers Festival zeigen sich. Erst am Tag 32 erhält die junge Frau ihr Gesicht. Dem er sich dann an weiteren Tagen widmet. Langsam wird das Bild vollendet.

Betrachtet man das Gesamtwerk von Thomas Schiela fällt auf, dass er oft Motive wählt, in denen Wasser eine Rolle spielt. Das Badewannen Bild ist ein Beispiel dafür. Sie werden hier aber noch weitere „Projektionen" sehen. Wie die Reihe „lot.jonn. Ijsselmeer. NRW Cup" von 2004. Thomas Schiela konnte mit einem Segelteam eine Regatta mitsegeln. Dabei entstanden die Momentaufnahmen des Wettbewerbs. Die Männer in ihrern orangefarbener Segelkleidung, die Haare vom Wind verstaust, jeder konzentriert auch auf seinen Aufgabe. Und im Hindergrund die Wellen des Meeres. Auch bei seinen „Ophelia" Bildern aus dem Jahr 2005 ist Wasser zentrales Bildmotiv. Dies ist Thomas Schielas Interpretation eines Gemäldes des Präraffaeliten John Everett Millais aus dem 19. Jahrhundert, das wiederum auf Shakespears „Hamelt anspielt. Ophelia, bei Schiela in Jeans und Karohemd gekleidet, liegt im Wasser. Wesentlich ist die Spiegelung des Wassers. Gerade bei Darstellungen des schimmernden und transparenten Wasser kommt die anfangs beschriebene Wirkung der Aquarellmalerei zum Tragen. Und das ist auch eine Herausforderung, der sich Thomas Schiela stellt: Spiegelungen und Lichtreflexe so detailliert, natürlich, ja photorealistisch wiederzugeben.
Wasser und Meer spielt auch eine Rolle bei Aufnahmen aus dem eigenen Familienleben. Der Künstler und seine Tochter mit Freunden tauchen auf einige Aufnahmen auch. Es ist Sommer, man ist am Strand und schwimmt im Meer. So werden auch ummittelbare Familienmitglieder und Freunde Protagonisten im Werk von T.S. Entweder in einem größeren Zusammenhang bei den bereits erwähnten Strandbilder, bei Festivals als Gruppenbild, aber auch als Einzelporträt.

Ein wichtiges Thema, dass nicht vergessen werden darf, sind die „Reisebilder" von Thomas Schiela. In Thailand und Kamboscha ging er auf Motivsuche. Inspiriert von den exotischen Ländern entstanden so eine Reihe von Arbeiten. Unter anderem dem klassischen Gebrauch des Aquarells entsprechend gibt es eine Reihe von kleinformatigen Studien. Entsprechend dem „Tagwerk" bei den großformatigen Bildern schuf Thomas Schiela jeden Tag ein kleines Aquarell mit Motiven wie: einer Bierdose eines thailändischen Bieres, von Rollerfahrern, etc. Thomas Schiela hat seine Besuche in Asien somit nicht nur photografisch dokumentiert, sondern auch zeichnerisch einen Reisebericht geschaffen. Leinwandbilder sind danach im heimischen Atelier in Xanten entstanden. „Bankog street kitchen I und II" „Geckobar" oder „Cambodia" sind aus dieser Reihe. Auch diese Bilder vermitteln ein Lebensgefühl ähnlich denen der Festivalbilder.

In einigen seiner zuletzt entstandenen Werken aus dem Jahr 2009 setzt sich Thomas Schiela mit Unschärfe, Verwackelungen und Überbelichtungen auseinander. „Geckobar" oder „MoersFestival 2009" sind Beispiele dafür. Man möge meine, es sind keine photorealistischen Bilder mehr, da die Wirklichkeit verzerrt dargestellt ist. Doch gerade hier spielt der wahre und wirkliche Charakter einer Photographie eine wesentliche Rolle. Es sind nun eben verwackelte und falsch belichtete Photos, die Thomas Schiela detailgetreu abmalt. Auch hier kann er wieder mit der Wirkung von Licht experimentieren. So ist es doch nur ein konsequenter Schritt auch diesen vielleicht nicht gelungen Bilder eine Berechtigung einzuräumen.

Man kann sich fragen, wo die künstlerische Reise von Thomas Schiela in Zukunft hingeht?

Beate Kolodziej, M.A.(Kunsthistorikerin, freie Mitarbeiterin am Museum Kurhaus Kleve)